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der vermessene mensch
Ab 23. März im Kino
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Zusammenfassung

 

Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts: Alexander Hoffmann (Leonard Scheicher) ist ein ehrgeiziger Ethnologie-Doktorand an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Als im Zuge der „Deutschen Kolonial-Ausstellung” eine Delegation von Herero und Nama aus der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ nach Berlin reist, lernt Hoffmann die Dolmetscherin der Gruppe, Kezia Kambazembi (Girley Charlene Jazama), kennen. Hoffmann entwickelt ein intensives Interesse an den Herero und Nama – und widerspricht nach den Begegnungen und Gesprächen mit ihnen der gängigen evolutionistischen Rassentheorie. Nachdem der Aufstand der Herero und Nama in der Kolonie niedergeschlagen wird und die Kolonialherren einen blutigen Vernichtungskrieg beginnen, reist Hoffmann im Schutz der kaiserlichen Armee durch das Land und sammelt für das Berliner Völkerkundemuseum zurückgelassene Artefakte und Kunstgegenstände. In Wahrheit sucht er jedoch weiter nach Beweisen für seine These – und nach Kezia. Vor Ort erlebt Hoffmann mit, wie deutsche Soldaten mit unmenschlicher Härte den Vernichtungsbefehl ausführen. Doch auch der Ethnologe überschreitet zunehmend moralische Grenzen, als er einwilligt, seinem Berliner Professor (Peter Simonischek) Schädel und Skelette von toten Herero zum Zwecke der Forschung zu schicken...

Credits
  • regie :
    Lars Kraume („Das schweigende Klassenzimmer“)
  • mit :
    Girley Charlene Jazama, Leonard Scheicher, Peter Simonischek
  • produzent :
    Thomas Kufus („Der Staat gegen Fritz Bauer“)
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Drücken Sie Zitate
„Seit fast 20 Jahren stelle ich fest, dass in den Schulen das Thema Kolonialismus und Völkermord an den Herero und Nama nicht genug vermittelt wird. Wenn ich dann als Zeitzeuge vor die Kinder trete, sehe ich ihre Betroffenheit und ihr Mitgefühl. Die guten Doku-mentationen der letzten 20 Jahre zu diesem Thema haben die Aufarbeitung positiv vorangetrieben, aber der Spielfilm DER VERMESSENE MENSCH übermittelt und erweitert das Wissen über diese Geschichte in hohem Maße. Er macht betroffen. Und genau das wollen wir.“
Israel Kaunatijke
Herero-Aktivist in Berlin, Deutschland
„Ich hoffe, dass dieser Film endlich eine Debatte anregen wird, damit irgendwann Heilung stattfinden kann. Ich bin, wer ich bin, wegen dem, was passiert ist. Die Arbeit an diesem Projekt gab mir z.B. den Anstoß, selbst Nachforschungen anzustellen, damit die Geschichte meiner Familie nicht untergeht.“
Girley Charlene Jazama
Namibischer Shooting-Star, Hauptdarstellerin & Herero
„Dieser Film öffnet die Augen, nicht nur für andere Filmemacher, sondern auch für sowohl Entscheider als auch gewöhnliche Männer, Frauen und Kinder in Namibia. Der Film wird definitiv eine wichtige Rolle dabei spielen, das wahre Bild des Völkermords zu zeigen, und könnte als Vehikel dienen, um Bewusstsein und Fürsprache in der Welt zu schaffen.“
Moses AK Mberira
Namibischer Filmemacher, Darsteller im Film und Gründungsmitglied der
NAMIBIAN FILMMAKERS ASSOCIATION
„Besonders für die Jugend ist der Film sehr aufschlussreich, sowohl hier in Namibia als auch in Deutschland. Ich möchte mich bei allen Beteiligten des Films bedanken, dass sie geholfen haben, das Wissen über diesen Genozid zu verbreiten.“
Kambanda Veii
Secretary der Ovaherero/Ovambanderu Genocide Foundation (OGF)
BEGEGNUNG MIT DER VERGANGENHEIT

„Im Bewusstsein der Deutschen ist die Kolonialzeit viel zu wenig verankert“, so Regisseur Lars Kraume, der selbst das Drehbuch verfasst hat. „Auch im erst seit 1990 unabhängigen Namibia ist der Völkermord noch immer eine große Leerstelle“, streicht auch Produzent Thomas Kufus die Bedeutung des Projektes heraus. Ihm und Lars Kraume war deshalb früh klar, dass DER VERMESSENE MENSCH eine spezifische Betrachtungsweise auf die Geschichte des Völkermords an den Ovaherero und Nama erfordert: „Am schwierigsten war es zu vermitteln, dass wir den Film aus unserer Täterperspektive im Land der Opfer erzählen“, sagt Kufus. Eine andere als die deutsche Täterperspektive kam nicht in Frage, um den Opfern nicht die eigene Geschichte zu nehmen.

GEMEINSAM IN NAMIBIA

Ein besonderer Glücksfall war die Besetzung Kezias mit dem namibischen Shooting-Star Girley Charlene Jazama, die zum Volk der Ovaherero gehört: „Kezia Kambazembi zu spielen war für mich eine große Herausforderung. Mehr als hundert Jahre nach dem Völkermord verkörpert sie für mich die Stimme der Sprachlosen.“ Nur eine geringe Anzahl an deutschen Teammitgliedern ist zu den Dreharbeiten nach Namibia gereist. Der größte Teil der Crew kam aus Namibia und Südafrika, u.a. John Tjipurua Rimunikavi, ein junger Himba-Herero, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Geschichte und Tradition seines Volkes den Nachfahren seiner Generation zu übermitteln. Nach historischem Vorbild baute er gemeinsam mit einer Gruppe von Himba-Frauen ein Herero-Dorf nach, das im Film eine zentrale Rolle spielt. Auch bei den Kostümen wurde mit der renommierten namibischen Kostümbildnerin Cynthia Schimming eine Spezialistin für die Kleidung der Ovaherero und Nama gefunden.

GERAUBTE ARTEFAKTE

DER VERMESSENE MENSCH ist nicht nur der erste Kinofilm, der die damaligen Ereignisse für die große Leinwand aufbereitet – gezeigt wird auch, wie die Wissenschaft vom kolonialen System profitierte: In den verlassenen Dörfern kann der Ethnologe Alexander Hoffmann (Leonard Scheicher) sammeln, weswegen er hergekommen ist: Alltagsgegenstände, Schmuck, aber auch menschliche Gebeine. Thomas Kufus: „Die großen europäischen Museen haben bis heute eine Vielzahl an Beutekunst in ihren Beständen. Und noch immer lagern tausende Totenschädel in ethnologischen Sammlungen in Deutschland.“

NACHWIRKUNG BIS HEUTE

Im Lichte jüngster Debatten um Rassismus, Dekolonisierung und koloniale Ausbeutung sucht der Film bewusst die Konfrontation: mit den Schrecken der Vergangenheit, aber auch mit andauerndem Unrecht, wie dem Taktieren von Politik und Wissenschaft in den Fragen von Reparation und Restitution. Ein zwischen der deutschen und der namibischen Regierung verhandeltes Abkommen wird von weiten Teilen der Opfergruppen nicht akzeptiert und ist daher noch immer nicht ratifiziert. Regisseur Lars Kraume sieht eine anhaltende Verantwortung bei der Bundesregierung, auf die auch der Film hinweisen will.

HOFFNUNG AUF DIALOG

Der Film wurde nach der Fertigstellung zuerst in Windhoek vor zahlreichen Vertreter:innen der Ovaherero und Nama-Communities vorgeführt, die zum Teil direkte Nachfahren der Opfer des Genozids sind. Alle Zuschauer:innen waren tief davon berührt. DER VERMESSENE MENSCH soll den Anstoß für neue und differenzierte Betrachtungsweisen bieten, insbesondere auch für Filme, die originär in Namibia entstehen. Und natürlich schwingt die Hoffnung mit, dass dieser Film neben vielen Emotionen auch zahlreiche Gespräche und Diskussionen in Deutschland auslösen wird.